Router am Konsolenport konfigurieren: Welches Kabel und welche Terminal-Einstellungen brauche ich?
Wer einen Router oder Switch erstmals einrichtet, kommt am Konsolenport nicht vorbei – besonders wenn das Gerät noch keine IP-Adresse hat oder die Web-Oberfläche nach einem Fehlkonfigurieren nicht mehr erreichbar ist. Anders als bei einer normalen Netzwerkverbindung braucht man dafür das richtige Kabel, den passenden Treiber und ein paar korrekt gesetzte Terminal-Parameter. Im Folgenden die Praxis, wie ich sie bei Kundeninstallationen täglich anwende.
Welches Kabel brauche ich für den Konsolenport?
Die meisten aktuellen Router und Switches von Cisco, HP/Aruba oder ähnlichen Herstellern nutzen einen RJ45-Port für die serielle Konsole, gekennzeichnet mit „Console" oder „CON". Am PC-Ende sitzt heute in der Regel kein serieller Sub-D-Anschluss mehr, sondern USB. Deshalb braucht man ein Kabel mit RJ45 auf einer Seite und USB-A oder USB-C auf der anderen, in dem ein USB-zu-Seriell-Chip verbaut ist. Wichtig: Das ist kein normales Netzwerkkabel – ein Ethernet-Patchkabel funktioniert an dieser Stelle nicht, da die Pinbelegung für die serielle Übertragung eine andere ist. Für den Alltag reicht ein Kabel wie das Konsolenkabel USB Typ A C auf RJ45 Ethernet für Cisco HP Router Switch 1,8m blau, das durch die beiden USB-Stecker sowohl an älteren Notebooks mit USB-A als auch an aktuellen Geräten mit ausschließlich USB-C funktioniert. Bei 1,8 m Länge kommt man in der Regel gut vom Schreibtisch bis zum Rack, ohne dass das Kabel unter Spannung steht.
Wie schließe ich das Kabel unter Windows an?
Nach dem Einstecken erkennt Windows den USB-Seriell-Chip meist automatisch und legt einen virtuellen COM-Port an, sichtbar im Geräte-Manager unter „Anschlüsse (COM & LPT)". Trägt der Chip einen FTDI- oder Prolific-Baustein, installiert Windows Update in den meisten Fällen den passenden Treiber selbstständig; bei manchen günstigeren Chinaklonen muss der Treiber manuell von der Hersteller-Website nachgezogen werden, sonst bleibt das Gerät als „Unbekanntes Gerät" stehen. Für die eigentliche Terminalverbindung nutze ich auf Windows meistens PuTTY oder Tera Term, wähle dort als Verbindungsart „Seriell" und trage die im Geräte-Manager angezeigte COM-Nummer ein. Merkt man sich die Nummer nicht, hilft ein Blick in den Geräte-Manager direkt vor dem Verbindungsaufbau, da sich die Zuordnung bei mehreren angeschlossenen USB-Seriell-Adaptern ändern kann.
Wie funktioniert der Verbindungsaufbau unter macOS und Linux?
Unter macOS und Linux erscheint kein COM-Port, sondern ein Gerätepfad unter `/dev`. Auf dem Mac taucht das Kabel meist als `/dev/tty.usbserial-XXXX` oder bei FTDI-Chips als `/dev/tty.usbserial-FTXXXXXX` auf, unter Linux typischerweise als `/dev/ttyUSB0`. Zum Auffinden reicht ein `ls /dev/tty.*` beziehungsweise `ls /dev/ttyUSB*` vor und nach dem Einstecken des Kabels – der neu hinzugekommene Eintrag ist der gesuchte Port. Die Verbindung selbst baut man mit `screen /dev/ttyUSB0 9600` oder mit `minicom -D /dev/ttyUSB0` auf. Unter Linux muss der eigene Benutzer meist noch der Gruppe `dialout` hinzugefügt werden, sonst verweigert das System den Zugriff auf den Port mit einer Permission-Fehlermeldung.
Welche Terminal-Einstellungen (Baudrate, Datenbits, Stopbits) sind richtig?
Für die allermeisten Cisco- und HP/Aruba-Geräte gilt als Werkseinstellung: 9600 Baud, 8 Datenbits, keine Parität, 1 Stopbit und keine Flusskontrolle – oft als „9600 8N1" abgekürzt. Diese Werte sind der erste Versuch bei jedem unbekannten Gerät. Reagiert die Konsole nach dem Drücken der Enter-Taste nur mit Zeichenmüll oder gar nicht, ist meist die Baudrate falsch – manche Geräte, etwa ältere Switches oder Spezialhardware, nutzen abweichende Werte wie 19200 oder 115200 Baud. In dem Fall hilft ein Blick ins Handbuch des jeweiligen Geräts, da sich die Werkseinstellung je nach Modell und Firmware-Version unterscheiden kann. Bei PuTTY finden sich diese Parameter unter „Connection > Serial", bei `screen` und `minicom` werden sie beim Verbindungsaufbau direkt mit angegeben.
Was tun, wenn trotz korrektem Kabel nichts angezeigt wird?
Bleibt der Bildschirm nach dem Verbindungsaufbau leer, liegt das in der Praxis fast immer an einer von drei Ursachen: erstens ein nicht oder falsch installierter USB-Seriell-Treiber, was sich im Geräte-Manager beziehungsweise über `dmesg` nach dem Einstecken überprüfen lässt. Zweitens ein falscher COM-Port oder Gerätepfad, wenn mehrere serielle Adapter gleichzeitig angeschlossen sind. Drittens hilft häufig einfach ein Tastendruck auf Enter nach dem Öffnen der Sitzung, da manche Geräte erst nach einem Eingabesignal die Ausgabe starten. Erst wenn alle drei Punkte geprüft sind und weiterhin nichts zu sehen ist, lohnt sich der Verdacht auf ein defektes Kabel oder einen defekten Konsolenport am Gerät selbst.
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